In letzter Zeit werden wieder häufiger Modelle publiziert und beworben, nach denen Privatpersonen und Firmen sich gegenseitig auf der Basis einer Art Naturalverrechnung Leistungen erbringen sollen. Das Schöne an der Idee ist, daß man sich angeblich nicht lange auf die Suche nach Kunden und Zulieferern machen muß, man zahlt einmalig an einen Dienstleister und ist dann aller Sorgen ledig. Die Frage ist nur, ob das System auch funktioniert.
1999 wurde ich aufgrund meiner Anzeige in einer Berliner Lokalzeitung durch den BLV kontaktiert. Gegen einen Betrag von 1.200,- DM sollte ich meine Akquisitonstätigkeit ebenso dem BLV überlassen können wie die Bedarfsdeckung. Das Angebot meiner Firma bestand seinerzeit in Sekretariats- und Assistenzleistungen sowie der Webseitenerstellung und Pflege von Internetauftritten. Meine Auftragslage war gut, ich hatte bereits die Erfahrung gemacht, daß sich von diesem Profil auch oder gerade als Einpersonenfirma leben läßt. Allerdings wollte ich neue Vertriebswege ausprobieren - schließlich bietet ein guter Kundenstrom auch die Möglichkeit Prioritäten zu setzen.
Nun war mir von Anfang an klar, daß hier ein Risiko eingegangen wird: Eine Garantie für Auftragsbeschaffung gibt es nicht, der Zahlbetrag setzt sich aus Aufnahmegebühr und Mitgliedsbeitrag zusammen. Eine Rückforderung im Mißlingensfall ist hier praktisch ausgeschlossen. Deshalb habe ich versucht, mich vorher zu informieren, der zu investierende Betrag war für mich keine Kleinigkeit. Dabei fand ich im Internet jede Menge Eigenwerbung dieses und ähnlicher Verbände, aber praktisch keine neutrale Information. Dieser bis dahin fehlenden Information ist diese Seite gewidmet.
Bei mir lief es so ab, daß ich in der Zeitspanne bis zur Einzahlung des Geldes einige Anfragen zugesandt bekam. Sie stammten von Kleinfirmen, gegen die ja in der Sache wenig einzuwenden war. Nur daß höchstens eine dieser Anfragen seriös war, andere waren vermutlich fingiert. Dann zahlte ich mein Geld ein und bekam danach kein einziges Angebot mehr. Daraufhin fragte ich mehrfach bei der Geschäftsleitung an, was diese zu tun gedenke. Erst wurde ich hingehalten, später bekam ich Antworten wie "Sie müssen sich dann schon selbst darum kümmern, daß unsere Berater Ihre Firma richtig verstehen und verkaufen können!" Zur Erinnerung: Ich arbeitete als Sekretärin, nur eben freiberuflich und ich hatte einiges Geld für die Vermittlung gezahlt. Kurz und gut: Nach ein paar Anläufen war endgültig klar, daß hier nichts, aber auch gar nichts zu erwarten ist. Nebenbei erfuhr ich, daß ich in der Kartei unter "Internetdienstleistungen" geführt wurde - eine solche Charakterisierung würde selbst bei gutem Willen eine Vermittlung unmöglich machen.
Das Gute an der ganzen Affäre war eigentlich nur, daß ich ja schwarze Zahlen schrieb - ganz ohne die sich beim BLV so schwierig gestaltende Vermittlung - und den Betrag von der Steuer absetzen konnte. Ausgeben müssen hätte ich ihn in jedem Fall. Von vornherein wußte ich, daß die Sache schiefgehen kann und wollte es eben genau wissen. Nun weiß ich es und bin froh, den erstmöglichen Ausstiegstermin genutzt zu haben, denn im Grunde ist mein Geld beim Finanzamt besser aufgehoben.
Diese Seite soll aber kein reines Meckerforum sein, auch wenn meine Meinung über den BLV aus den genannten Gründen die schlechteste ist. Hiermit biete ich jedem, der einschlägige Erfahrungen hat an, diese hier zu publizieren. Allerdings wird jeder, der seine Meinung zur Veröffentlichung anbietet, mit seinem Namen und Kontaktdaten dafür einstehen müssen.
Ina Koys
Erfahrungsberichte zu abcmarkets AG